Die griechische Musik hat sich im Laufe vieler Jahrhunderte entwickelt und war Gegenstand unteschiedlicher historischer und geographischer Einflüsse: Griechische Musik der Antike, byzantinische und geistliche Musik bieten eine große Bandbreite unterschiedlicher musikalischer Traditionen. Heute wird das Fach Musik in den 213 anerkannten Konservatorien für Musik gelehrt, von denen lediglich eine vom Staat gegründet wurde. Außerdem gibt es 146 Musikschulen. 44,8% dieser Konservatorien und Musikschulen sind in Städten in der Provinz angesiedelt.

Musik ist die in Griechenland wohl beliebteste und populärste kulturelle Aktivität. Das hängt mit der historischen Bedeutung des Liedes und der Popularität des musikalischen Ausdruckes über den Tanz zusammen. Es gibt eine weit zurückreichende Tradition ländlicher Musik, die mit dem Unabhängigkeitskrieg gegen die Osmanen (1821 - 29) verbunden ist. Eine Form der urbanen traditionellen Musik mit enger Verbindung zu den Flüchtlingen der kleinasiatischen Katastrophe (1922) ist der "Rembetiko".

Das weltweite Renommee der modernen griechischen Musik ist zum größten Teil den Werken Manos Hadjidakis (Oscar für das beste Lied 1960) und Mikis Theodorakis zu verdanken (British Academy Award für die beste Musik 1969). Seit dem Zweiten Weltkrieg haben sich viele jüngere Komponisten sowohl an der ländlichen als auch an der urbanen traditionellen Musik inspiriert. Einer der herausragendsten unter ihnen ist Dyonisios Savopoulos, der eine originelle Synthese aus dem "Rembetiko", ländlichen Melodien und Rythmen des Rock&Rolls geschaffen hat. Andere bedeutende Komponisten sind Stavros Xarhakos, Yannis Markopoulos und Thanos Mikroutsikos.

Im Bereich der klassischen Musik haben Nikos Skalkotas, Yannis Christou und Ioannis Xenakis, die die meisten ihrer Werke im 20. Jahrhundert geschaffen haben, als Komponisten weltweite Anerkennung gefunden. Die zwei "Riesen" in der klassischen weltweiten Musikszene schließlich sind Maria Callas (Sopran) und der Dirigent, Pianist und Komponist Dimitris Mitropoulos.

Quelle: Website der Griechischen Botschaft Wien

Websites: Manos Hadjidakis Mikis Theodorakis

Das Rembetiko:

Von Kleinasien über die Häfen von Griechenland...
... Mehr als eineinhalb Millionen Menschen wurden von der neuen Regierung unter dem siegreichen General Mustafa Kemal, genannt Atatürk, aus ihrer Heimat vertrieben. Griechen hatten seit fast dreitausend Jahren in Kleinasien gesiedelt. Sie waren stets ein wichtiges Bindeglied zwischen Ost und West gewesen. Und auch als die Osmanen im 15. Jahrhundert die Herrschaft über diese alte Kulturlandschaft übernahmen, verlor die griechische Kultur nichts von ihrer Blüte. Griechische Musiker, ob am Hofe der Osmanischen Sultane, ob als Musiker in den Kaffeehäusern oder den Café Amans in den Küstenstädten wie Konstantinopel (Istanbul) und Smyrna (Izmir), hatten hier im Austausch mit türkischen, armenischen und jüdischen Nachbarn eine musikalische Tradition von bemerkenswerter Schönheit und Differenziertheit entwickelt, wobei jede Region ihren eigenständigen und klar unterscheidbaren Stil hatte.Die Ereignisse des Jahres 1923 warfen nun mit den Flüchtlingen aus Kleinasien auch viele Musiker in eine fremde, ihnen unbekannte Heimat. Mit sich brachten sie ihre Musik, die erkennbar in orientalischen Traditionen wurzelte. So geachtet diese Musiker in ihrer alten Heimat auch gewesen sein mögen, so hatten sie sich doch nun in neu entstehenden Armenvierteln am Rande der griechischen Städte anzusiedeln. In ihrer engsten Nachbarschaft, vor allem in Hafenstädten wie Piräus oder Thessalonike, hatte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts eine eigene Subkultur entwickelt.

"Manges" und "Rembetes"
Deren Anhänger, modisch herausgeputzt, Tagediebe und Nichtsnutze, die ihre Tage lieber, die Wasserpfeifen konsumierend, im Kaffeehaus (Kafenion) verbrachten anstatt einer geregelten Arbeit nachzugehen, nannten sich Manges (sing. Manga). Sie hatten ihre eigene Musik, die sie meist auf Gitarre, Geige oder einem aus dem Orient übernommenen Instrument names Bouzouki, einer mit drei Saiten bespannten Langhalslaute, begleiteten. Den staatlichen Autoritäten waren die Manges mit ihrem Nonkonformismus ein steter Dorn im Auge. Oft landeten sie, wegen geringer Vergehen oder weil man nicht vom Haschisch lassen konnte, im Gefängnis. Es mag sein, dass man dort anfing, eine kleinere Schwester des Bouzouki, die Baglama, zu entwickeln, die so praktisch war, weil man sie in den Ärmeln eines Obergewandes vor den Wärtern verbergen konnte.
Ab Mitte der 20er Jahre verschmolzen allmählich der frühere Pirausstil mit der Musik der Neuankömmlinge. Und obwohl kaum zu bestreiten ist, dass die Neuankömmlige meist die besseren Musiker waren, ging das orientalische Element in der gemeinsamen Musik innerhalb eines Jahrzehnts fast völlig verloren. Die populären Lieder, die man nun zur Begleitung von Bouzouki und Baglama sang, wurden Rembetika genannt, ...

Wichtigste Interpreten
Als die 'Goldene Zeit' des Rembetiko gelten heute die 30er bis 50er Jahre. Das ist vor allem einem Musiker zu verdanken, Vasilis Tsitsanis (1915-1984), der den rauhen, ursprünglichen Stil abmilderte, ihn melodisch verfeinerte und dadurch das Genre für breitere Schichten des Volkes erschloß. Mit Markos Vamvakaris (1905-1968) und Miltiades Papajoannou (1913-1972) bildete er das Dreigestirn, das für immer an der Spitze des Rembetiko stehen wird.
... Erst, als im Jahre 1975, unmittelbar nach dem Ende der Militärdiktatur, der junge Sänger George Dalaras, damals schon eine feste Größe in der Musikszene seiner Heimat, ein Album "50 Jahre Rembetika" herausbrachte, setzte eine allgemeine Wiederentdeckung des Rembetiko ein. Nun endlich erkannte man, wie sehr das orientalische Element, das auch im Rembetiko zum Vorschein tritt, die eigene Gesellschaft seit den 20er Jahren geprägt hatte. Alte Rembetiko-Platten wurden neu herausgebracht, junge Musiker spielten die alten Lieder nach. Doch die Zeit des Rembetiko war unwiderruflich zu Ende, denn die gesellschaftlichen Voraussetzungen hatten sich längst geändert. So bleibt der Rembetiko als ein wichtiges Erbe der griechischen Musik, das bis heute Komponisten und Musiker inspiriert und zur Auseinandersetzung anregt.

Quelle: Christoph Herrmann